Tempel des Verschlingers
Ein feuchter, pulsierender Kulttempel tief im Siebenthaler Plateau, in dem fanatische Anhänger grausige Rituale im Namen der verschlingenden Gottheit Xarzhul vollziehen.
Offene Informationen
Außen
Der Eingang liegt verborgen in einem schmalen Felstunnel tief im Siebenthaler Plateau. Eine schlichte, grob gezimmerte Holztür ohne Griff steht unscheinbar im Fels, als gehörte sie nicht in diese uralte Umgebung. In der Tür ist eine flache Steinschale eingelassen, von der ein fahler Schleimfilm glänzt, der im Fackelschein leicht pulsiert. Schon wenige Schritte vor dem Eingang ist die Luft wärmer und trägt einen feinen, fauligen Geruch nach feuchter Erde. Wer genau lauscht, meint durch die dicke Tür hindurch ein tiefes, dreitöniges Summen zu hören, das wie ein ferner Herzschlag klingt.
Bedeutung
Für die nahegelegene Stadt Siegelstein hat der Tempel selbst keine offizielle Bedeutung und ist weder kartiert noch in Aufzeichnungen erwähnt. Einige wenige wissen von sonderbaren Erschütterungen und vermuten Berggeister oder instabiles Gestein, ohne den wahren Ursprung zu ahnen. Gerüchte über verschwundene Reisende und hohle Stellen im Plateau kreisen seit Generationen unter Jägern und Bergarbeitern. Sollte der Tempel je öffentlich werden, würde die Stadt unter massiver Panik und religiöser Hysterie leiden.
Informationen für die Spielleitung
Innen
Der erste Raum ist ein Vorraum mit ausgelegten Steinplatten, deren Kanten durch jahrhundertelange Nutzung glattgeschliffen sind. In der Mitte steht eine grobe Statue einer gewaltigen Made aus graugrünem Stein, deren Oberfläche feucht glänzt und leicht zu pulsieren scheint. Die Wände sind mit eingeritzten Spiralen und Madenmotiven übersät, die teilweise mit getrocknetem Blut gefüllt wurden. Ein undefinierbarer, süßlich-modriger Geruch hängt in der Luft und wird stärker, je tiefer man vordringt. Von hier führen Tunnel weiter in das Innere unter anderem zum Geburtstümpel und einigen Schlafstätten der Kultisten .
Hohepriester
Der Tempel wird von Marivann Klammfurt, einem menschlichen Mann in mittleren geführt. Er trägt einfache, dunkle Gewänder, über die sich frische und alte Schleimreste ziehen wie ein makaberes Muster. Er hat seine Beine und Arme bereits seinem dunklen Gott geopfert und liegt daher die meiste Zeit auf einer Liege, die von seinen Dienern getragen wird. Sein Gesicht ist von einer goldenen wurmartigen Maske bedeckt. Marivann ist intelligent und wortgewandt, aber sein Fanatismus lässt ihn kaum noch zwischen Realität und Visionen unterscheiden.
Weitere Begegnungen
- Dargun Schliffstein, zwergischer Mann mit rotem Bart und einigen fehlenden Fingern. Er ist schweigsamer Wächter, der nur im Auftrag Marivanns spricht.
- Fenna Haberkorn, eine menschliche Frau, die als Wächterin des Tempels dient und einen von Xarzhul gesegneten, vergifteten Dolch trägt. Ihre linke hat sie bereits ihrem Gott geopfert.
- Raldin, ein elfischer Mann mit gesplitterten Fingernägeln und fahler Haut, ein ehemaliger Gelehrter, der die Runen an den Wänden pflegt und das Bankett des Schlundes leiten wird.
Herausforderungssituation
Die Charaktere sollen am grausamen Ritual des „Banketts des Schlundes“ teilnehmen, das im Tempel als heiliger Übergangsakt gilt. Während des Rituals müssen die Teilnehmenden eigene Körperteile opfern und diese gemeinsam mit den Kultisten verspeisen. Die Atmosphäre ist geprägt von monotonen Gesängen, warmem Schleimgeruch und einem dreitönigen Brummen, das den Raum erfüllt, sobald das Fleisch die steinernen Schalen berührt. Mit dem letzten Vers des Ritus wird der Hohepriester zeremoniell in das Geburtsbecken gelegt, wo er langsam vom zähflüssigen Schleim umhüllt und schließlich vollständig eingesponnen wird. Für die Charaktere entsteht hier ein gefährlicher Moment, denn jeder Zweifel, Zögern oder falsche Schritt könnte ihren Verrat offenbaren und den Kult gegen sie aufbringen.
Trivia
- Die Tür des Tempels öffnet sich nur, wenn ein frisches Fleischopfer dargebracht wird und „erinnert“ sich an zuvor dargebrachte Opfer und öffnet sich beim nächsten Besuch leichter.
- Die Statue der Made im Vorraum ist laut älteren Aufzeichnungen viel kleiner gewesen und scheint über die Jahrzehnte langsam „gewachsen“ zu sein.
- In den tieferen Gängen des Tempels hört man gelegentlich ein fernes Kratzen, das laut alten Kultaufzeichnungen von „unfertigen Madenläufern“ stammen soll, die nie vollständig verpuppen konnten.
Gerücht / Aufgabe
Sollten die Charaktere dem Kult beitreten oder sich erfolgreich eingeschlichen haben, erhalten sie von Raldin einen besonders heiklen Auftrag. Raldin erklärt ihnen mit nervöser, zitternder Stimme, dass der Tempel dringend einen feuchten Wurmling benötigt, ein kleines, hölzernes Artefakt von Xarzhul mit humanoider Form und einem wurmartigen Kopfaufsatz. Dieses Artefakt flüstert unaufhörlich dünne, klagende Töne und sondert dabei stetig feuchte Schleimtröpfchen aus, die seine Macht nähren sollen. Der Wurmling sei laut Raldin in einer versiegelten Kammer im Tempel des Dublon in Siegelstein verborgen. Ohne dieses Artefakt könne der Hohepriester nicht in den Kokon versetzt werden, und die Wiedergeburt als ein neuer Madenläufers wäre damit unmöglich.
